Absagen

Absagen

Einfach ist es ja nicht, aber es geht nicht mehr anders. Wir bekommen für venue music inzwischen mehr Musik zugeschickt als wir überhaupt hören können, vom Schreiben darüber ganz abgesehen. Und es werden immer mehr Anfragen. Es tut mir ja jedes Mal leid, wenn ich wieder eine Mail schreiben muss, dass es keinen Sinn ergibt, uns ein Album zu schicken, weil sich beim Hören der Sachen auf MySpace einfach kein „Genau meins, will ich was zu machen“-Gefühl einstellt. Die Freiheit und Subjektivität erlauben wir uns, dass wir zuerst und vor allem über die Sachen schreiben, die uns selbst gefallen (*). Das gilt übrigens auch für alle, die mitmachen wollen (um mal kurz mit dem „Wir suchen immer neue Autoren“-Zaunpfahl zu winken).

Und trotzdem habe ich immer irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn ich solche Mails schreiben muss – vor allem, wenn es an die Band selber geht: die haben wahrscheinlich verdammt viel Arbeit in ihre Musik gesteckt, mit einem unglaublichen Zeitaufwand an den Songs geschraubt, bis die fertig sind – und dann schreiben da so ein paar blöde Blogger, dass sie über dieses Werk nix machen werden, weil es nicht deren Geschmack ist. Dann stelle ich mir vor, wie die vor dem Rechner sitzen und über den unsäglichen Geschmack der Idioten von venue music herziehen, der den Namen „Geschmack“ nicht verdient – und dann ist von dem schlechten Gewissen auch schon fast nichts mehr übrig 😉

Manchmal denke ich ja auch darüber nach, ob wir nicht anfangen sollten einfach Pressetexte zu kopieren – wir wären nicht die einzigen und wenn ich mir da so ein paar „Magazine“ anschaue, dann muss sich das doch irgendwie auch finanziell lohnen. Wenn ich dann lange genug darüber nachgedacht habe – so in etwa zwei bis drei Millisekunden – dann ist der Gedanke auch wieder ganz weit weg. So was macht doch keinen Spaß und der ist uns bei der ganzen Sache immer noch verdammt wichtig. Immerhin können wir guten Gewissens sagen, dass wir jedes Album auch gehört haben, über das wir eine Rezension veröffentlicht haben – und ich habe öfters mal den Eindruck, dass das nicht jedes Magazin behaupten kann, zumindest nicht ohne zu lügen.

(*) Wenn ich so darüber nachdenke: „gefallen“ trifft es eigentlich nicht ganz, wir schreiben durchaus auch über Sachen, die musikalisch gar nicht unser Fall sind, die wir aber aus anderen Gründen für bemerkenswert halten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.